Solardachziegel

Aufbau und Installation

Die Solarziegel wurden von uns bestellt – und dann fing die eigentliche Arbeit an. Wir mussten uns um einen Dachdecker und einen Elektriker kümmern.

Während Anbieter von PV-Anlagen meist ein Komplettservice anbieten, dezentral in einer Region beheimatet sind und dadurch ein Handwerker-Netzwerk aus dem Umland zur Verfügung haben, können Solardachziegelhersteller nicht mit diesem Vorteil aufwarten. Man kauft direkt beim Hersteller, muss aber die Gewerke dann selbst zusammenbringen.

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Alle Kabelanschlüsse für die Solarziegel sind bereits verlegt.

Das Angebot von Autarq beinhaltete einen relativ runden Service, wie ich finde. Es werden nicht nur die Dachziegel geliefert, im Kaufpreis enthalten ist auch eine „Montageunterstützung“ von einem Tag, um den Dachdecker einzuweisen. Desweiteren installiert Autarq auch Wechselrichter und Batteriespeicher. Nur den finalen Anschluss ans Strommetz muss dann ein externer Elektriker machen.

Unsere erste Aufgabe war es also, einen Dachdecker von den Solarziegeln zu überzeugen. Und das wäre fast schiefgegangen.

Wir verabredeten uns an einem ungemütlichen und kalten Novemberwochenende mit insgesamt drei Dachdeckerbetrieben. (Nicht gleichzeitig natürlich ..:-)
Im Gepäck hatten wir als anschauliches Beispiel einen Solardachziegel, damit sich die Handwerker ein erstes Bild machen konnten.

Zunächst einmal reagierten alle Firmeninhaber beim persönlichen Gespräch und dem im Augenschein nehmen des Hauses, ungemein positiv auf den Solarziegel. Wenn auch niemand vorher schon einmal so einen Ziegel gesehen hatte, fanden alle die Idee des stromproduzierenden Dachziegels sehr spannend.

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Sämtliche Kabelstränge führen in den Schuppen beim Kaminrohr.

Das böse Erwachen kam für uns dann einige Wochen später. Das erste Angebot, das wir erhielten, beinhaltete alle relevanten Punkte, die für eine neue Eindachung relevant sind. Einzig die Verlegung der Solarziegel fehlte. Stattdessen wurden handelsübliche, normale Ziegel angeboten. Auf unser verwundertes Nachfragen erhielten wir die Auskunft, dass man mit Solardachziegel doch lieber nicht arbeiten wolle, man könnte so gar nicht richtig kalkulieren.

Der zweite Dachdeckerbetrieb zog es vor, überhaupt kein Angebot zu senden. Zweimal habe ich telefonisch nachgehakt, immer hieß es, das Angebot käme in Kürze. Nun denn, auch hier hatte man vor den Solarziegeln offensichtlich gehörigen Respekt.
Die Rettung war dann der dritte Fachbetrieb. Detailliert wurde im Angebot berechnet, wie viele Solarziegel- und wie viele normale Dachziegel benötigt werden würden. Schon vorher zeigte sich der Meister sehr offen und überlegte, wie viel Zeit es kosten würde, die Solarziegel miteinander zu verbinden (4-6 Sekunden pro Ziegel, schätzte er) und welche zusätzliche Arbeiten nötig wären (Am Ende einer Ziegelreihe müssen die Kabel gebündelt an einen bestimmten Punkt gelegt werden, von wo die Hauptkabel am Ende zum Wechselrichter und Speicher kommen). Im Angebot wurde dann mit knapp 60 Extra Stunden gerechnet, die man für alle zusätzlichen Arbeiten benötigen würde.

Auch der Elektriker zeigte sich offen, einen Blick aufs Dach zu werfen, während die Solarziegel verlegt werden, für alle Fälle sozusagen.

Im November 2019 ging es los. Zunächst wurde das alte Dach abgedeckt, dann wurde komplett neu aufgebaut. Als der große Tag der Eindeckung kam, haben sich tatsächlich zwei Mitarbeiter von Autarq angekündigt und sich auf den Weg nach Föhr gemacht. Praktischerweise schliefen sie bei uns im Ferienhaus, sie waren also ständig vor Ort. ;-)

Die Einweisung hatte gut funktioniert, die Dachdecker waren anschließend nicht nur in der Lage, alle Verbindungen ordnungsgemäß herzustellen, sie konnten am Ende eines Abschnittes mit einem speziellen Messgerät auch prüfen, ob die Ziegel korrekt miteinander verbunden waren und Strom lieferten. Insgesamt fanden sie auf diese Weise auch zwei Handvoll Ziegel, die defekt waren und ausgetauscht werden mussten, oder nicht korrekt angeschlossen waren.

Am Ende hatten die Dachdecker die Hauptkabelstränge bis zum vereinbarten Punkt durch das Dach in den Schuppen geführt, in dem die elektrischen Geräte angebracht werden sollten. Dies funktionierte alles prima und reibungslos und wir waren sehr angetan.

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Das Dach nimmt Formen an.

Zwei bis drei Wochen später kam dann noch einmal ein Techniker von Autarq auf die Insel und hat die entsprechenden Kabelstränge mit Wechselrichter und Speicher verbunden.

Hier dann der einzige Wermutstropfen:
Statt eines Wechselrichters haben wir zwei Wechselrichter bekommen. Eigentlich ist es ja immer schön, wenn man mehr bekommt, als man bestellt hat oder einem angeboten wurde. Ich als kreativer Mensch habe wenig Ahnung von Technik und gebe es hier jetzt bewusst sehr laienhaft wieder:
Aber das Problem war wohl, dass wir insgesamt drei Dachflächen haben, auf denen Solarziegel liegen. Der Hauptwechselrichter des Herstellers Delios kann diese drei Flächen aber nicht alle zusammen kontrollieren. Daher wird die Ostseite des Daches nun mit einem extra Wechselrichter, einem kleinen Gerät von Solis, gesteuert. Das ist gerade für das Monitoring etwas lästig, da die Software von Delios natürlich jetzt eine Dachseite nicht erfasst, meine Daten also unvollständig sind, bis ich von Hand die Daten des Solis-Wechselrichters auslese.

Ich könnte mir vorstellen, dass es inzwischen elegantere Lösungen gibt, wenn also ein Elektriker oder Installateur diese Zeilen liest, mag er mir gerne einen Vorschlag machen. :-)
(Allerdings würde es jetzt auch keinen Sinn machen, einen voll funktionsfähigen Wechselrichter von Delios auszutauschen …)

Wenn man mal von dieser semioptimalen Lösung absieht, sind wir sehr zufrieden gewesen mit den gesamten Arbeiten.

Wie sich herausstellte, konnten auf dem Dach dann noch ein paar mehr Solarziegel untergebracht werden, als angenommen. Nachdem 453 Solarziegel verbaut waren, hatte der Dachdecker noch Platz für 20 weitere Ziegel. Diese haben wir dann einfach unkompliziert bei Autarq nachbestellt und ca. acht bis zehn Wochen später wurden sie innerhalb kürzester Zeit von unserem Dachdecker gegen die Standardziegel, die bis dahin als Platzhalter dienten, ausgetauscht.

Die einzigen „Probleme“ bei diesem Projekt resultierten letztendlich daraus, dass die unterschiedlichen Gewerke keine Einheit bildeten. Die größten Schwierigkeiten gab es ausgerechnet beim Anmelden der Anlage beim zuständigen Versorger. Normalerweise macht das der Elektriker, der die Photovoltaikmodule anschließt und den Wechselrichter, sowie den Batteriespeicher in Betrieb nimmt.

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Die Kabel vom Dach führen durch den Schuppen zu den Geräten.

Wenn aber die Firma, welche die Geräte installiert, kein Elektriker ist, wird es schwierig. In unserem Fall kümmerte sich Autarq als Solardachziegelhersteller um die Montage der Geräte. Die Anlage war betriebsbereit und musste im letzten Schritt von einem externen Elektriker ans Stromnetz angeschlossen werden, inklusiv Austausch des Hauszählers. Nun gibt es in der Dokumentation, die dem Netzbetreiber unterschrieben geschickt werden muss, keine eindeutige Trennung zwischen diesen Arbeiten, da die Firma, welche die Solaranlage zum Laufen bringt, normalerweise auch die Firma ist, welche die letzten Schritte bis hin zum Verteilerkasten bewerkstelligt. In unsrem Fall waren zwangsläufig zwei Firmen damit beschäftigt, mit dem Resultat, dass sich der Elektriker schließlich weigerte, die Unterlagen zu unterschreiben, da er darin die vollkommene Funktionsfähigkeit bestätigen musste. Und da er Wechselrichter und Batteriespeicher nicht angeschlossen hatte, wollte er nicht für deren korrekte Funktionsweise garantieren.

Eine ärgerliche Geschichte, die uns insgesamt mehr als drei Wochen an Zeit kostete, ehe wir einen neuen Elektriker engagierten, der mit dieser Sachlage keine Probleme hatte. Das war ein Störfeuer, mit dem wir überhaupt nicht gerechnet hatten.

Im März 2020 wurde dann schließlich der neue Zwei-Richtungs-Zähler eingebaut und die Anlage offiziell eingeschaltet.

Nun heißt es, Erfahrungen sammeln. Wie wird sich das System im Alltag schlagen? Welche Probleme wird es geben?
Ich werde regelmäßig berichten.