Vergleich der Systeme

Voraussetzungen für Solarziegel:

Auf dieser Seite vergleiche ich das Gesamtpaket „Solarziegel“ mit dem Gesamtpaket „Photovoltaikanlage“.
Teilweise werden direkt die Module und deren Eigenschaften miteinander vergleichen, teilweise beziehen sich die Gegenüberstellungen auch auf die installierten Komponenten oder auf weiterführende Leistungen der Anlagenverkäufer.


Aufbau / Installation

Bei den Solardachziegeln ist die Installation aufwändig, da natürlich das ganze Dach angefasst wird.
Bei einer Auf-Dach-Photovoltaikanlage geht der Aufbau extrem schnell. Innerhalb weniger Tage ist die Anlage mit allen ihren Komponenten betriebsbereit.


Vergleich Aussehen

Wir müssen nicht lange um den heißen Brei herumreden.
Solardachziegel sehen natürlich viel besser aus. Sie integrieren sich schick und unauffällig in jedes Gebäude.


Vergleich der Komponenten

Das Hauskraftwerk von E3/DC sieht edler aus. Die gesamte Technik befindet sich in einem Gerät, das Display ist groß genug und kontrastreich.
Währenddessen bilden der Wechselrichter, die Speicher und die Verteilungsgeräte bei der Dachziegellösung keine homogene Einheit.
Das Display des Delios ist aber ebenfalls gut ablesbar.

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Links die Komponenten bei der Solardachziegellösung, rechts das Hauskraftwerk bei der Variante mit den PV-Modulen.


Vergleich der Kosten der Komponenten

Das Hauskraftwerk von E3/DC ist teuer. Der Wechselrichter von Delios und die Batteriespeicher von Pylontech nicht so sehr.
Ganz konkret gesprochen muss man für das Hauskraftwerk aus Deutschland mehr als doppelt so viel zahlen, wie für die Geräte aus Italien und China. Wobei aber natürlich berücksichtigt werden muss, dass der Speicher beim E3/DC größer ist und das Gerät über spannende Funktionen wie Notstrom und Kommunikation mit der Wallbox verfügt. All das kennt der Delios nicht.

Trotzdem bleibt die Frage: Braucht man das alles überhaupt? Und wie anfällig sind die Anlagen?
Ich bin sehr gespannt, wie sich alle Komponenten im Laufe der nächsten Jahre schlagen werden.
Ein wirkliches Resümee ist wahrscheinlich erst zu ziehen, wenn einige Zeit ins Land gegangen ist.
Ich werde das selbstverständlich verfolgen. :-)

 

Hochvolt / Niederspannung

In PV-Module fließt Gleichstrom. Es können sehr hohe Gleichspannungen von bis zu 900 Volt entstehen. Schon Gleichstromspannungen von über 120 Volt sind für Menschen lebensgefährlich.

Solardachziegel arbeiten hingegen im Niederspannungsbereich, der unter 120 Volt bleibt. Wie Autarq schreibt, kann das Eindecken der Solardachziegel oder eine spätere Erweiterung auch in Eigenregie erfolgen. Im Brandfall geht von der Solaranlage keine Gefahr für Feuerwehr und Hausbewohner aus.
So weit, so gut.

Ich selbst allerdings werde ganz bestimmt nicht aufs Dach klettern und an irgendwelchen Solarziegeln ruckeln oder sie abstecken. Insofern kann ich den Vorteil jetzt nicht wirklich erkennen.

Klar, wenn ich an die armen Feuerwehrleute denke, die mein brennendes Hausdach unter Kontrolle bringen müssen, wünsche ich ihnen so wenig Stromdurchfluss wie möglich, aber eigentlich gehe ich davon aus, dass dieses Szenario nicht eintrifft (Dreimal auf Holz geklopft :-).

Alles in allem ist es mir als Verbraucher also ziemlich egal, unter welcher Spannung die Module stehen. Solange ich keinen Hochspannungsmast auf dem Kopf habe, ist alles gut.

Interessante Info am Rande:
Autarq Solarziegel werden zwar im Niederspannungsbereich betrieben, aber um die niedrige Spannung für herkömmliche Solarwechselrichter nutzbar zu machen, wird ein PV-Wandler benötigt. Er setzt die Spannung entsprechend hoch. Der PV-Wandler ist praktisch die Schnittstelle zwischen Niederspannung und nutzbarem Haushaltsstrom.


Marderangriff / geschützte Kabel

Hier macht es das Solardach dem Marder natürlich sehr schwer, an die Kabel zu kommen. Die Kabellage läuft unter den Dachziegeln, unerreichbar für die Nager. Da sieht es bei den Auf-Dach-Modulen ganz anders aus. Die Kabel hängen dort lustig und ungeschützt herum.

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Wir haben zwei possierliche Mader in der Nachbarschaft. Wenn sie wollten, könnten sie bei den PV-Modulen nach Herzenslust knabbern ...

 

Wenn ein Modul nicht richtig arbeitet / Fehlersuche

Ein schwieriges Feld. Wie erkenne ich eigentlich, ob ein Solarmodul oder ein Solarziegel den Geist aufgegeben hat und nicht mehr arbeitet?

„Das kann man alles messen“, habe ich schon mehrmals von verschiedenen Leuten gehört. Aber ganz so einfach scheint das dann doch nicht zu sein. Außerdem stellt sich auch die Frage, wo man misst. Klar kann „man“ (bzw. der Elektriker) aufs Dach klettern, jedes Photovoltaikmodul messen und einen Defekt feststellen. Bei unseren 29 Modulen wird er eine Weile beschäftigt sein, bei unseren 473 Solarziegeln will ich mir das gar nicht weiter vorstellen.
Doch dies kann ja nicht der Weisheit letzten Schlusses sein, wenn man nur vermutet, dass ein Modul kaputt ist.

Die einzige sinnvolle Vorgehensweise scheint eine Thermografie zu sein. Ein entsprechend ausgerüsteter Solarteur kommt mit einer Wärmebildkamera vorbeigehuscht und kann dann genau sehen, welches Modul keine Lust mehr hat, die Sonne in feinen Strom umzuwandeln.

So oder so, der Aufwand, einen Fehler herauszubekommen, ist bei beiden Systemen gleich groß und ärgerlich.


Nachträglicher Austausch von Komponenten

Hier sollte man meinen, haben die PV-Module einen Vorteil gegenüber den Solardachziegeln, aber ich habe selbst erlebt, dass sich Solarziegel genauso leicht tauschen lassen.
(Die entprechende Notiz dazu)


Ansprechpartner

Dieser Punkt geht an die Photovoltaikanlage. In der Regel wird Ihnen ein Generalunternehmer Ihre Anlage und sämtliche Komponenten verkaufen. Diese Firma können Sie dann bei Problemen natürlich jederzeit kontaktieren. Bei den Solardachziegeln ist das schon schwieriger, weil es hier keinen Generalunternehmer gibt. Wir haben unsere Solarziegel direkt bei Autarq gekauft. Durch Umstrukturierungen innerhalb der Firma hatten wir bereits während der Bauphase drei verschiedene Ansprechpartner. Wenn es jetzt zu einem Problem kommen sollte, hätte ich keine Ahnung, wen ich kontaktieren könnte. Eine „Notrufnummer“ oder etwas ähnliches existiert nicht.

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Der Photovoltaikanlagenhersteller bietet in der Regel ein „Rundherum-Sorglos-Paket“ an.

 

Firmenpleiten

Ja, dieser Punkt muss angesprochen werden. Es war im Sommer 2018, als ich die Angebote von den Solardachziegelherstellern angefordert hatte. Gefallen hat mir auch die holländische Firma ZEP. Die Website war informativ, man reagierte auf meine Mails und die Kritiken bei Google waren durchweg positiv. Mehr als 60 verschiedene mit Solarziegeln gedeckte Häuser konnte man sich auf diversen Seiten ansehen.

Irgendwann Ende 2020 war dann plötzlich Schluss mit lustig. Die Sternebewertungen brachen ein, die Firma sollte nicht mehr antworten, telefonisch war niemand zu erreichen.
Mittlerweile ist auch die Website offline und die Webportale verkünden, dass dieses Unternehmen Konkurs, und dauerhaft geschlossen ist.

Ich persönlich hätte das nie für möglich gehalten, weil die Infrastruktur bei ZEP stimmig erschien. Man war in Holland etabliert, hatte mit der Firma Krannich sogar einen deutschen Vertriebspartner gefunden und auch in Skandinavien gab es Niederlassungen.

Diese Gefahr der Firmenpleite besteht natürlich immer. Aber wenn es meinen Solarziegelhersteller betrifft, juckt mich das mehr, als wenn mein, meist chinesischer, PV-Modul-Hersteller in die ewigen Jagdgründe entschwindet.

Denn es ist schon ein klitzekleines Horrorszenario, sollte es keinen Ersatz mehr für meine auf dem Dach verbauten Ziegel geben. Ein großes Solarmodul ist schnell ausgetauscht, die Fabrikate der unterschiedlichen Hersteller ähneln sich – alles kein Drama.

Aber Solarziegel von unterschiedlichen Herstellern sind sich ungefähr so ähnlich wie Sonne und Mond. Hier ist kein Mix oder eine Kombination möglich.
Und da Solarziegelhersteller meist typisch mittelständische Unternehmen sind, wird sich wohl erst in den nächsten zwei bis drei Jahren zeigen, ob sie konkurrenzfähig bleiben können, ob sich ihre Ziegel –ja Solarziegel überhaupt – durchsetzen können und ob man gegen die irgendwann einfallende Macht von Tesla und seinem „Solar-Roof“ eine Chance hat.
Es bleibt ungeheuer spannend.

 

Innovation / neue Entwicklungen

Wie steht es eigentlich mit der Weiterentwicklung der Produkte?
Ein heikles Thema!
Während Photovoltaikmodule bewährte Produkte sind und sich nicht mehr großartig verändern, ist die Entwicklung bei Solardachziegeln noch nicht abgeschlossen und es gibt laufend Neuerungen und Innovationen.

Ein Beispiel: Autarq hatte bisher ausschließlich Dachziegel der Firma Creaton verwendet, seit Anfang 2021 werden auch die Ziegel von Jacobi Walther für den Fertigungsprozess benutzt.

Nicht nur die Ziegel sind neu, auch die Kabelanschlüsse wurden überarbeitet. Die neuen Ziegel von Jacobi Walther verfügen nur noch über einen Anschluss, statt über zwei, wie bei den Creaton-Ziegeln.

Wenn ich jetzt an Ersatzziegel für unser Dach denke, fühle ich ein paar Schweißperlen auf meiner Stirn. Ich kann nur hoffen, dass auch das alte Stecksystem im Fertigungsprozess erhalten bleibt.

 

Software und Apps

Hier ist es schwierig, die Solardachziegel mit der PV-Anlage zu vergleichen, denn Software und App werden stets von den Wechselrichtern bereitgestellt und gesteuert.
In unserem Fall vergleiche ich also die Programme von E3/DC und Delios.

Und da gibt es keine großen Unterschiede. Beide Kundenmenüs im Internet und auf den mobilen Geräten zeigen gelungene Übersichtsseiten. Und die Leistungswerte, bei denen man sich Kurven oder Balken stunden-, tage-, oder wochenweise anzeigen kann, sind ähnlich aussagekräftig und schnell zu erfassen.
Da das Hauskraftwerk von E3/DC über mehr Funktionen verfügt, ist die Oberfläche aber insgesamt gehaltvoller. Wallboxwerte und Smart Funktionen für ein Smart Home sind hier ebenfalls einstell- und auswertbar.
Ein großer Vorteil ist der direkte Draht zum technischen Support und Kundenservice. Über den Reiter „Service“ kann man schriftlich direkt eine Frage an das Help Center von E3/DC senden.
Da das Hauskraftwerk von E3/DC auch die Speicherbatterie beinhaltet, können auch hier diverse Werte eingesehen werden.

Diese Möglichkeiten bietet die Delios-Software nicht. Denn hier handelt es sich „nur“ um einen Wechselrichter und um kein gesamtes Hauskraftwerk. Die Werte des Batteriespeichers beziehen sich lediglich auf wenige Zahlen wie beispielsweise Ladestatus oder Batterietemperatur – und da der Hersteller in Italien sitzt, findet sich kein direkter Draht zur Kommunikation.
Muss ja auch nicht, denn hier wäre Autarq als Solarziegelhersteller der erste Ansprechpartner bei Problemen für mich.

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Die App-Ansicht im I-Phone: links Delios, rechts E3/DC. Die Software des italienischen Herstellers ist etwas verspielter, die deutsche schnörkelloser. ;-)


Versicherungen

Dieser Punkt geht an den Solarziegelhersteller Autarq.
Zusätzlich im Service von Autarq ist eine kostenlose Versicherung der Alten Leipziger enthalten, die über einen Zeitraum von fünf Jahren läuft und automatisch endet, ohne dass es meiner Kündigung bedarf.
Enerix ist hier wesentlich knausriger. Hier gibt es die Versicherung PV SECURE von der S.E.E. Servicegesellschaft erneuerbare Energien mbH, die über maximal zwei Jahre läuft, sich automatisch verlängert, wenn nicht drei Monate vor Ende gekündigt wird – und die sogar für mich noch in den ersten beiden Jahren jeweils EUR 1,00 kostet, damit der Dienstleister gleich mein Einverständnis zum Kontoeinzug besitzt.
Vertrauensvoller Umgang mit potentiellen Kunden sieht anders aus ...